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Wenn der Hunger niemals aufhört: Umgang mit Essproblemen bei Prader-Willi-Syndrom

  • Autorenbild: Sarah Lee
    Sarah Lee
  • 15. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Jan.

Wenn Essen zur täglichen Herausforderung wird

Für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom (PWS) ist das Thema Essen weit mehr als eine alltägliche Notwendigkeit. Es bestimmt häufig den gesamten Tagesablauf, beeinflusst die Stimmung und kann für alle Beteiligten zu einer ständigen Belastung werden.

Ob in Familien, Schulen, Werkstätten oder Wohneinrichtungen, überall, wo Menschen mit PWS leben und begleitet werden, ist das Thema Ernährung präsent. Der Hunger scheint nie zu enden, und das ständige Denken ans Essen kann viel Raum einnehmen. Für Angehörige und Fachkräfte ist es oft schmerzhaft zu sehen, wie groß der innere Kampf sein kann, den Betroffene täglich austragen.


Warum das Sättigungsgefühl fehlt

Das Prader-Willi-Syndrom geht mit einer Veränderung im Hypothalamus einher, jener Hirnregion, die Hunger- und Sättigungssignale steuert. Das bedeutet: Das Gefühl der Sättigung tritt nicht wie gewohnt ein. Der Körper signalisiert „Hunger“, auch wenn die Nahrungsaufnahme längst ausreichend war.

Dieses fehlende Sättigungsgefühl ist keine Frage von Willenskraft, sondern eine biologische Realität. Es beeinflusst Verhalten, Emotionen und das gesamte soziale Miteinander.Für das Umfeld bedeutet das, Verständnis zu entwickeln für etwas, das von außen oft schwer nachvollziehbar ist und gleichzeitig Strukturen zu schaffen, die Schutz und Orientierung geben.


Typische Konflikte rund ums Essen

Im Alltag können daraus vielfältige Spannungen entstehen: heimliches Essen, ständiges Nachfragen nach Lebensmitteln, Wut oder Frustration, wenn bestimmte Speisen nicht erlaubt sind.Auch für Teams in Wohneinrichtungen oder Schulen ist das Thema sensibel, besonders dann, wenn Menschen mit PWS andere Portionen oder Regeln haben als ihre Mitbewohner:innen oder Mitschüler:innen.

In solchen Momenten zeigt sich, wie stark Emotion und Bedürfnis ineinandergreifen. Es geht nicht um „Ungehorsam“ oder mangelnde Einsicht, sondern um einen tief verankerten körperlichen Drang, der ernst genommen werden muss.Das verlangt Geduld, Empathie und klare Grenzen. Eine Balance, die nicht immer leicht zu halten ist.


Strategien für mehr Ruhe bei Mahlzeiten

Ein verlässlicher Rahmen kann den Alltag deutlich entspannen. Dazu gehören feste Essenszeiten, klar geregelte Abläufe und transparente Vereinbarungen rund um Nahrungsmittel.Wenn klar ist, wann gegessen wird, was auf den Tisch kommt und welche Regeln gelten, entsteht Sicherheit, sowohl für die betroffene Person als auch für ihr Umfeld.

Hilfreich ist zudem eine wertschätzende Kommunikation: Statt über Verbote zu sprechen, kann es entlastend sein, über „Absprachen“ und „gemeinsame Ziele“ zu reden.Auch visuelle Hilfen, feste Rituale und klar definierte Zuständigkeiten tragen dazu bei, dass Mahlzeiten ruhiger verlaufen.

Wichtig ist: Es geht nicht darum, den Alltag starr zu gestalten, sondern einen Rahmen zu schaffen, der Orientierung und Schutz bietet und damit Raum für positive Erfahrungen schafft.


Wie Unterstützung im Alltag entlasten kann

Selbst mit viel Erfahrung und Geduld stoßen Familien, Fachkräfte und Teams immer wieder an Grenzen.In solchen Momenten kann es hilfreich sein, Unterstützung von außen in Anspruch zu nehmen, um den Blick zu weiten, neue Lösungsansätze zu entdecken und bestehende Strukturen zu stärken.

Oft sind es kleine Veränderungen, die große Wirkung zeigen: eine angepasste Kommunikation im Team, eine neue Routine im Tagesablauf oder ein klarer Umgang mit schwierigen Situationen.Ein neutraler Blick hilft, die Dynamik zu verstehen und Wege zu finden, die für alle Beteiligten tragbar sind.



Fazit

Essen wird im Leben mit Prader-Willi-Syndrom immer ein zentrales Thema bleiben. Doch es kann an Schwere verlieren, wenn passende Strukturen und Strategien entwickelt werden. Mit Verständnis, klaren Absprachen und verlässlichen Rahmenbedingungen kann der Alltag spürbar ruhiger und sicherer werden.

Wenn Sie in Ihrer Familie, Ihrer Einrichtung oder Ihrem Team vor ähnlichen Herausforderungen stehen, begleite ich Sie gerne dabei, individuelle Wege im Umgang mit Essenssituationen zu entwickeln. Mit Empathie, Erfahrung und dem Ziel, den Alltag für alle Beteiligten leichter zu gestalten.

 
 
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